Jüdisches Deutschland

Im Mittelalter bestimmten mit ihren Rabbinern und Gelehrten die Gemeinden in Speyer, Worms und Mainz das jüdische Leben weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. In Frankfurt bleiben die Juden im Spätmittelalter in der Stadt, werden aber in ein Ghetto gesteckt, das für mehr als 300 Jahre deren Wohnbezirk bleibt. Berlin nahm einst den achten Platz hinsichtlich der jüdischen Bevölkerung weltweit ein und war Wirkungsort des Philosophen und Aufklärers Moses Mendelssohn. Es beginnt im Zuge der Aufklärung die einseitige Liebesbeziehung der deutschen Juden. Nach der Shoa stellte sich die Frage, ob Juden überhaupt noch im Land der Täter leben sollten. Schaut man heute auf das rege jüdische Leben in deutschen Städten wie Berlin, Frankfurt oder München, sieht man die klare Antwort. Was hat sich im Land der Täter verändert?

Frankfurt
Holocaust-Denkmal am Alten Jüdischen Friedhof, Frankfurt

Frankfurt am Main: Schon im Mittelalter lebten in der Stadt am Main Juden, die aber im ausgehenden 16. Jh. in ein Ghetto gedrängt wurden, um dort weiter zu leben, bis dieses 1796 im Zuge der französischen Revolution aufgelöst wurde und der lange Prozess der Gleichberechtigung der Juden einsetzte. Diese Entwicklung gab es nur in wenigen deutsch-jüdischen Gemeinden. Was war das Besondere? Das Museum Judengasse informiert über das einstige Ghetto anhand teilweise freigelegter Fundamente von 5 Häusern in der Judengasse. Neben dem Museum befindet sich der älteste erhaltene jüdische Friedhof der Stadt mit einem atemberaubenden Denkmal für die verschleppten und ermordeten Frankfurter Juden. Die Westendsynagoge, ist ein bewegendes Bauwerk, das die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland überlebte und heute die Hauptsynagoge der Gemeinde ist. Unter ihrem Dach beten nunmehr die reformierten, orthodoxen und ultraorthodoxen Juden von Chabad Lubavitsch. Sehenswert ist ebenfalls der zweite Jüdische Friedhof in der Rath-Beil-Straße, auf dem Vertreter der Rothschilds, Moritz Daniel Oppenheimer, Paul Ehrlich, Berthat Pappenheim und der Rabbi von Stolin begraben sind. (2 Touren)

Synagoge Mainz (14)_kl
Mainz, Neue Synagoge

Mainz: Mainz gehört mit zu den sogenannten Schum-Gemeinden (Speyer ש-Worms ו –Mainz ם, שום hebräisch für Knoblauch), die im Mittelalter Zentren der jüdischen Gelehrsamkeit waren. Die von Manuel Herz entworfene und 2010 eingeweihte neue Synagoge an der Stelle, wo einst die Hauptsynagoge stand, ist ein atemberaubender und spektakulärer Neubau, der viel Inspiration zum Nachdenken über jüdisches Leben gibt. Lassen Sie uns diskutieren! Zahlreiche Denkmäler erinnern an das Wirken der Juden in Mainz. (Tour)

Worms: Der heilige Sand gilt als der älteste in Europa noch erhaltene jüdische Friedhof, auf dem bedeutende Rabbiner des Mittelalters im sogenannten Rabbinerthal begraben sind. Relativ am Eingang befindet sich das Grabmal des berühmten Rabbiners und Talmudgelehrten Meir von Rothenburg aus dem 13. Jh., der in Worms geboren wurde. Jedes Mal ist der Besuch des Friedhofs für mich eine lebendige Reise in die Geschichte der Gelehrten des deutschen Judentums. Worms besticht des Weiteren als eine der sogenannten Schum–Gemeinden durch das öffentlich zugängliche Ritualbad und die wieder aufgebaute Alte Synagoge, die heute Museum und zugleich auch Veranstaltungsort der Jüdischen Gemeinde Mainz-Worms ist. (Tour)

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Speyer: Speyer ist berühmt für den Kaiserdom und den in unmittelbarer Nähe liegenden Judenhof mit Resten der mittelalterlichen Synagoge sowie einem der ältesten Ritualbäder. Verschiedene Mitglieder der Kalonymos-Familie lebten und wirkten hier als Rabbiner und Gelehrte. Jüdisches Leben kam mit den Juden aus der ehemaligen Sowjetunion zurück, und heute existiert wieder eine neue Synagoge. In Speyer lässt sich der zögernde Umgang der Deutschen mit dem verlorenen Judentum nach dem II. Weltkrieg besonders nachvollziehen. (Tour)

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Friedberg, Mikve

Friedberg: Ein kleiner Vorort von Frankfurt am Main mit einer faszinierenden jüdischen Geschichte, wo sich wahrscheinlich die größte noch erhaltene Mikve der Welt befindet, ist Friedberg. Es gab seit der Stadtentstehung im 12. Jh. immer eine jüdische Gemeinde bis zum 17.09.1942. Somit gehört Friedberg zu einer der wenigen Städte wie Prag, Frankfurt am Main und Worms, aus denen die Juden nicht vertrieben, jedoch in ein Ghetto gezwungen wurden. Auf einem winzigen Gebiet können wir hier die jahrhundertlange Geschichte der Juden des Ortes nachvollziehen. (Tour)

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Bad Nauheim: Ort der gehobenen Kreise, der durch die Bedeutung als Bad im 19. Jh. Gäste aus aller Welt anzog: Ob Bismarck oder der russische Zar Nikolaus II. – hier gab sich die feine Gesellschaft ein Stelldichein. Aus diesem Grunde wuchs auch die kleine jüdische Gemeinde im 19. Jh., als es jüdische Ärzte, Patienten, Krankenpersonal in die Stadt zog. Eine der schönsten Synagogen im Bauhausstill steht in Bad Nauheim. Die Gemeinde zählt ungefähr 300 Mitglieder. (Tour))

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München / Dachau: München ist für den jüdischen Reisenden sowohl wegen der nationalsozialistischen Geschichte als auch der eigentlichen jüdischen Geschichte der Stadt interessant. Wie in vielen anderen Städten Deutschlands war auch die jüdische Geschichte Münchens vom ewigen Auf und Ab gekennzeichnet bis sich in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wieder eine jüdische Gemeinde entwickelte. München zählt heute zu den großen jüdischen Gemeinden mit einer faszinieren neuen Synagoge und einem Gemeindezentrum im Herzen der bayerischen Landeshauptstadt. Andererseits nahm hier die nationalsozialistische Bewegung eines Adolf Hitlers ihren Ausgangspunkt. München ist für den jüdischen Gast natürlich mit einem der ersten Konzentrationslager verbunden – Dachau.

Nürnberg & Fürth: Bei Nürnberg erinnert man sich als jüdischer Reisender zunächst an die gleichnamigen Gesetze und die Reichsparteitage, zu denen Abertausende Deutsche gebracht wurden. Von 1945 bis 1949 fand hier der Kriegsverbrecherprozess statt. Nürnberg hat eine für viele deutsche Städte typische Geschichte der Juden. Für rund 350 Jahre war jüdisches Leben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unmöglich. Danach entwickelte sich sowohl in Nürnberg als auch im benachbarten Fürth ein reges jüdisches Leben.